Du hast diesen Satz gelesen, und jetzt ist es zu spät.

Nicht zu spät für irgendetwas Dramatisches. Kein Geheimnis, keine Offenbarung, keine Pointe. Nur: zu spät, um nicht hier gewesen zu sein. Dieser Augenblick hat stattgefunden. Du warst beteiligt.

Die meisten Begegnungen funktionieren so. Man steht an einer Ampel, jemand neben einem atmet, und für drei Sekunden teilt man denselben Sauerstoff. Keiner sagt etwas. Keiner muss. Dann wird es grün, und man geht in verschiedene Leben, die sich nie wieder berühren werden.

Aber manchmal — und das ist selten genug, dass es kein Wort dafür gibt — dreht sich einer der beiden um. Nicht weil er etwas vergessen hat. Nicht weil er dem anderen etwas sagen will. Sondern weil der Moment, der gerade vergangen ist, einen Abdruck hinterlassen hat, der nach Dauer verlangt.

Der andere ist schon weg. Natürlich. Das war zu erwarten.

Was bleibt, ist kein Gefühl. Es ist eine Stelle. Eine Stelle in der Luft, an der jemand gestanden hat, der jetzt nicht mehr dort steht. Man kann sie nicht zeigen. Man kann sie nicht beweisen. Man kann nur daran vorbeigehen und spüren, dass etwas fehlt, das nie dort war.

Du bist jetzt an dieser Stelle vorbeigegangen.