Der Kartograph zeichnete eine Stadt, die es nicht gab, und wartete. Nicht auf Bewohner. Auf den Moment, in dem jemand die Karte lesen und die Stadt dadurch schuldig werden lassen würde, nicht zu existieren.

Die Straßen hatten Namen. Nicht willkürliche — er hatte sie aus Telefonbüchern geschnittener Städte zusammengesetzt. Halbe Nachnamen, die zu Alleen wurden. Vorwahlen, die er als Hausnummern eintrug. Die Karte war vollständig im kartographischen Sinn: Maßstab, Legende, Nordpfeil, drei Höhenlinien für einen Hügel, der keinen Schatten warf.

Er schickte die Karte an das Katasteramt. Nicht an ein bestimmtes. An das Katasteramt einer Stadt, die der gezeichneten am ähnlichsten sah — ein Ort mit zu vielen Kreuzungen und zu wenig Plätzen. Das Amt schickte einen Brief zurück, in dem stand, dass die eingereichte Karte Abweichungen aufweise. Keine Ablehnung. Abweichungen.

Er korrigierte die Abweichungen. Verschob eine Straße um vier Millimeter nach Osten. Strich einen Park, der zu groß gewesen war, und ersetzte ihn durch einen kleineren, der keine Bäume enthielt, nur das Wort PARK in der Schriftgröße, die das Amt vorschrieb. Er schickte die Karte erneut. Das Amt antwortete nicht.

Drei Monate später fand er die Stadt in einer Online-Karte. Nicht seine Stadt — eine, die ihr glich. Die Straßennamen waren andere. Aber die Form stimmte: die zu vielen Kreuzungen, der Hügel ohne Schatten, der Park, der nur aus seinem eigenen Namen bestand. Er vergrößerte das Bild. Dort, wo er den Nordpfeil gesetzt hatte, stand ein Gebäude, das auf keiner früheren Aufnahme zu sehen war.

Er zeichnete das Gebäude ein. Er zeichnete es nicht, wie es war, sondern wie es hätte sein müssen, damit die Karte gestimmt hätte. Er schickte diese Version an niemanden. Er hängte sie an die Wand neben die Fenster, durch die man eine andere Stadt sah, die es gab.