Der Übersetzer starb an einem Dienstag. Seine letzte Arbeit blieb auf dem Schreibtisch liegen: ein Wörterbuch, das jedes Wort nur in sich selbst übersetzte. Haus — Haus. Verlust — Verlust. Die Verleger lehnten ab. Zu genau, sagten sie.

Seine Witwe fand in der untersten Schublade einen zweiten Entwurf. Darin war jedes Wort durch das nächstliegende ersetzt. Haus — Haut. Verlust — Verdunstung. Sie las drei Seiten und verstand zum ersten Mal eine Sprache, die sie seit vierzig Jahren gesprochen hatte.

Das Begräbnis fand in zwei Sprachen statt, die beide falsch waren. Der Pfarrer sprach ein Deutsch, das nach Kalkstein schmeckte. Die Trauergäste antworteten in einem Dialekt, den es nur auf Parkbänken gibt, bei Regen, wenn niemand zuhört.

Im Testament stand ein einziger Satz, den der Notar nicht vorlesen konnte. Nicht weil er unleserlich war, sondern weil er beim Lesen seine Form änderte. Der Notar versuchte es dreimal. Beim dritten Mal weinte er, ohne den Grund benennen zu können. Er strich das Honorar und ging nach Hause.

Die Witwe übersetzte den Satz nach der Methode des zweiten Entwurfs. Das Ergebnis war eine Adresse. Sie fuhr hin. Dort stand ein Haus ohne Beschriftung. Im Briefkasten lag ein Brief an sie, datiert auf den nächsten Tag.

Sie öffnete ihn nicht.